
Google Ads lohnt sich für Kanzleien vor allem in Rechtsgebieten, in denen Menschen mit einem akuten Problem suchen, etwa Kündigung, Scheidung, Bußgeldbescheid oder Pflichtteil. Eine eigene Google-Richtlinie für Kanzleien haben wir für Deutschland nicht gefunden, aber bei Strafrecht, Scheidung oder Insolvenz greifen Einschränkungen beim Targeting. Die eigentlichen Grenzen setzt das Berufsrecht: § 43b BRAO, § 6 und § 7 BORA, die Fachanwaltsordnung und das UWG. Wer sachlich wirbt, sauber misst und pro Rechtsgebiet rechnet, kommt damit gut zurecht.
Stand: Oktober 2026. Google ändert Menüs, Richtlinien und Funktionen in Google Ads regelmäßig. Prüf die verlinkten Hilfeseiten und Gesetzestexte deshalb vor dem Start. Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung.
Suchanzeigen erscheinen nur, wenn jemand aktiv sucht. Das passt zu Rechtsgebieten, in denen der Anlass klar ist und Zeit drängt. Das ist unsere Einschätzung, keine Statistik:
Im Arbeitsrecht siehst du gut, warum Tempo zählt. Nach § 4 KSchG muss die Klage innerhalb von drei Wochen nach Zugang der schriftlichen Kündigung erhoben werden.
Ob in deinem Rechtsgebiet und deiner Region genug Menschen suchen, zeigt dir der Keyword-Planer mit geschätzten Suchanfragen pro Monat. Laut Google beruhen die Prognosen auf den letzten sieben bis zehn Tagen. Als sensibel eingestufte Keywords zeigt er laut Google nicht an, bei Strafrecht oder Insolvenz bleiben also Lücken.
Eine eigene Freigabe für Anwälte haben wir für Deutschland nicht gefunden. Die Richtlinie Lokale Dienstleistungen schränkt in Deutschland nur Schlüsseldienste ein. Drei Punkte betreffen dich trotzdem.
Ja. Laut der Richtlinie Rechtliche Anforderungen musst du neben den Google-Richtlinien die Gesetze der Länder einhalten, auf die deine Anzeigen ausgerichtet sind. Eine freigegebene Anzeige ist also keine berufsrechtliche Prüfung.
Ja, früher oder später. Laut Google müssen letztendlich alle Werbetreibenden die Überprüfung des Werbetreibenden durchlaufen. Danach erscheinen Name und Standort deiner Organisation in der Offenlegung der Anzeigen. Halte Kanzleiname, Rechtsform und Anschrift im Zahlungsprofil und im Impressum deshalb gleich.
Nicht in jedem Rechtsgebiet. In der Übersicht Eingeschränktes Targeting in personalisierten Anzeigen führt Google sensible Interessenkategorien auf. Wer dort wirbt, darf keine selbst kuratierten Zielgruppen nutzen, also weder Kundenabgleich noch Segmente mit selbst erhobenen Daten. Vordefinierte Google-Zielgruppen bleiben erlaubt. Für Kanzleien sind vier Kategorien wichtig. Die Beispiele stehen auf den englischen Unterseiten:
Für Arbeitsrecht, Erbrecht oder Verkehrsrecht ohne Strafbezug haben wir keine solche Einschränkung gefunden. Plan Strafrecht, Scheidung und Insolvenz von Anfang an ohne Remarketing.
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Ob eine konkrete Anzeige zulässig ist, klärst du mit deiner Rechtsanwaltskammer.
Ja. Nach § 43b BRAO ist Werbung erlaubt, soweit sie über die berufliche Tätigkeit in Form und Inhalt sachlich unterrichtet und nicht auf die Erteilung eines Auftrags im Einzelfall gerichtet ist. Die Berufsordnung (BORA) in der Fassung vom 01.12.2025 wird in § 6 Abs. 1 deutlicher: Du darfst nicht unsachlich, unlauter und insbesondere nicht irreführend werben. In diesen Grenzen ist laut BORA auch die Werbung um ein einzelnes Mandat zulässig.
Für Google Ads heißt das: Rechtsgebiet, Ort, Erreichbarkeit und Ablauf passen. Reißerische Versprechen nicht.
„Fachanwalt“ nur, wenn die Kammer dir die Bezeichnung verliehen hat. Das regelt § 43c BRAO: Der Vorstand der Rechtsanwaltskammer entscheidet über den Antrag, die Befugnis gibt es für höchstens drei Rechtsgebiete. Welche Fachanwaltschaften es gibt, steht in § 1 der Fachanwaltsordnung (FAO) in der Fassung vom 01.10.2026, darunter Arbeitsrecht, Familienrecht, Verkehrsrecht, Erbrecht und Miet- und Wohnungseigentumsrecht.
Für Schwerpunkte ohne Fachanwaltstitel gilt § 7 BORA. Teilbereiche darfst du nur benennen, wenn du entsprechende Kenntnisse nachweisen kannst. Wer qualifizierende Zusätze wie „Spezialist“ verwendet, muss zusätzlich theoretische Kenntnisse haben und auf dem Gebiet in erheblichem Umfang tätig gewesen sein. Unzulässig ist jede Benennung, die mit einer Fachanwaltschaft verwechselt werden kann.
Das gilt auch für Keywords wie „Fachanwalt Arbeitsrecht“ plus Stadt. Bist du kein Fachanwalt, darf die Anzeige diesen Eindruck nicht erwecken. Achte besonders auf automatisch erzeugte Anzeigentexte. Ob schon das Buchen des Keywords ein Problem ist, sagt der Wortlaut nicht. Kläre das mit deiner Kammer.
Nur eingeschränkt. Nach § 6 Abs. 2 BORA ist Werbung mit Mandaten oder Mandanten nur mit ausdrücklicher Einwilligung zulässig. Das gilt auch, wenn die Verschwiegenheit nicht mehr greift. Nach unserer Lesart brauchen Fallbeispiele, Logos oder namentliche Zitate also eine Einwilligung.
Bei Erfolgsversprechen hilft § 5 UWG. Irreführend ist eine Werbung unter anderem, wenn sie unwahre oder zur Täuschung geeignete Angaben über die von der Leistung zu erwartenden Ergebnisse enthält (Abs. 2 Nr. 1) oder über Befähigung, Status, Zulassung und Auszeichnungen (Nr. 3). „Wir holen deine Abfindung“ oder „98 Prozent gewonnene Fälle“ ohne belastbare Grundlage sind deshalb riskant.
Vergleichende Werbung ist nach § 6 UWG nur in engen Grenzen erlaubt, etwa ohne Herabsetzung des Mitbewerbers. Aus unserer Erfahrung lohnt sie sich für Kanzleien nicht.
Nach dem Wortlaut der BORA ja. Nach § 6 Abs. 3 BORA darfst du nicht daran mitwirken, dass Dritte für dich Werbung betreiben, die dir selbst verboten ist. Gib Anzeigentexte deshalb selbst frei, auch automatisch erzeugte Varianten.
Dazu kommt die Verschwiegenheit nach § 43a Abs. 2 BRAO. Sieht eine Agentur Anfragen oder Mandatsdaten, etwa beim Abgleich von Anfragen mit Mandaten, greift nach unserer Lesart § 43e BRAO. Der Vertrag braucht dann Textform und muss die Agentur unter Belehrung über die strafrechtlichen Folgen zur Verschwiegenheit verpflichten.
Nach § 5 Abs. 1 DDG für reglementierte Berufe unter anderem die Kammer, der du angehörst, die gesetzliche Berufsbezeichnung mit dem Staat, in dem sie verliehen wurde, und die berufsrechtlichen Regelungen mit der Angabe, wie sie zugänglich sind. Die Angaben müssen leicht erkennbar und unmittelbar erreichbar sein, auch auf einer eigenen Landingpage.
Entscheidend ist die Absicht hinter der Suche. Plane je Rechtsgebiet eine eigene Kampagne mit eigener Landingpage. Die Beispiele zeigen nur die Richtung, Zahlen für deine Region liefert der Keyword-Planer:
Schließ unpassende Suchen konsequent aus, etwa Muster, Vorlage, Jobs, Gehalt, Referendariat, Studium oder Rechtsanwaltsfachangestellte. Aus unserer Erfahrung bringen reine Wissensfragen wie „Kündigungsfrist berechnen“ wenige Mandate. Schließ auch Regionen aus, die du nicht betreuen willst. Das geht laut Google-Hilfe in den „Einstellungen“ unter „Standorte“.
Viele Mandanten rufen an, statt ein Formular auszufüllen. Google Ads kann laut Google-Hilfe Anrufe über Anzeigen als Conversion zählen, zum Beispiel wenn ein Anruf länger dauert als die von dir festgelegte Mindestdauer. Aus unserer Erfahrung sind 20 Sekunden ein guter Startwert für die Mindestdauer. Dafür braucht es die Anrufberichte, die du in den Kontoeinstellungen im Bereich „Anrufberichte“ aktivierst.
Bei Formularen zählst du das Absenden oder die Bestätigungsseite. Ob daraus ein Mandat wird, siehst du erst später. Diesen Schritt kannst du per Offline-Conversion-Import über die Klick-ID (GCLID) nachtragen. Bei erweiterten Conversions für Leads mit gehashten Nutzerdaten wären wir vorsichtig, denn schon die Tatsache, dass jemand Mandant ist, kann unter die Verschwiegenheit fallen. Klär das mit deinem Datenschutzbeauftragten, bevor du Daten an Google überträgst. Aus unserer Erfahrung reicht für den Anfang ein Import über die GCLID mit dem Status „Mandat ja oder nein“.
Für Cookies brauchst du nach § 25 TDDDG grundsätzlich eine Einwilligung. Mit dem Einwilligungsmodus übernehmen deine Google-Tags die Entscheidung aus dem Cookie-Banner. Warum Conversions in Google und echte Anfragen oft auseinanderlaufen, erklären wir im Artikel Viele Conversions, kaum echte Anfragen.
Aus unserer Erfahrung liegen Kanzleien in diesen Spannen, je nach Region, Rechtsgebiet und Wettbewerb:
Zum Vergleich aus den USA: Laut den Google Ads Benchmarks 2025 von WordStream lag der Klickpreis für „Attorneys & Legal Services“ im Median bei 8,58 $, die Kosten pro Lead bei 131,63 $. Basis sind 16.446 US-Suchkampagnen aller Branchen, April 2024 bis März 2025. Der US-Markt lässt sich nicht 1:1 übertragen. Umgerechnet liegen beide Werte aber innerhalb unserer Spannen. Eine vergleichbare Studie für Deutschland haben wir nicht gefunden.
Alle Werte sind Annahmen, nicht aus einem Kundenkonto. Die Annahmen liegen innerhalb unserer Erfahrungswerte oben. Echte Klickpreise zeigt der Keyword-Planer, deinen Deckungsbeitrag deine Abrechnung.
Rechnung: 2.000 € geteilt durch 6 € ergibt rund 333 Klicks. 6 % davon sind 20 Anfragen. Eine Anfrage kostet damit 100 €.
Damit sich das Budget trägt, brauchst du 2.000 € geteilt durch 1.000 €, also 2 Mandate. Aus 20 Anfragen muss also jede zehnte zum Mandat werden.
Zweite Annahme für ein Rechtsgebiet mit höheren Werten, etwa Erbrecht: 3.000 € Budget, 12 € pro Klick, 6 % Anfragequote, 4.000 € Deckungsbeitrag pro Mandat. Dann ergeben sich 250 Klicks und 15 Anfragen, eine Anfrage kostet 200 €, also das obere Ende unserer Erfahrungswerte. Ein Mandat deckt das Budget bereits, also jede fünfzehnte Anfrage. Einrichtung und Betreuung sind in beiden Rechnungen nicht enthalten.
Nennst du in der Anzeige einen Preis für die Erstberatung, muss er zum Gesetz passen. Nach § 34 Abs. 1 RVG beträgt die Gebühr für ein erstes Beratungsgespräch mit einem Verbraucher ohne Vereinbarung höchstens 190 €.
Das bedeutet für dich: Starte mit dem Rechtsgebiet, in dem du am stärksten bist und am schnellsten zurückrufst. Formuliere jede Anzeige so, dass du sie deiner Kammer ohne Bauchschmerzen zeigen könntest. Und miss vom ersten Tag an Anrufe und Anfragen, später auch die Mandate.
Dürfen Rechtsanwälte Google Ads schalten?
Ja. Werbung ist nach § 43b BRAO erlaubt, wenn sie sachlich über die berufliche Tätigkeit unterrichtet. § 6 BORA verbietet unsachliche, unlautere und irreführende Werbung. Eine eigene Google-Freigabe für Kanzleien gibt es nach unserer Recherche nicht, die Überprüfung des Werbetreibenden schon.
Darf ich auf „Fachanwalt“ bieten, wenn ich keiner bin?
Die Anzeige darf nicht den Eindruck erwecken, dass du Fachanwalt bist. § 7 Abs. 2 BORA verbietet Benennungen, die mit einer Fachanwaltschaft verwechselt werden können. Ob schon das Keyword allein problematisch ist, klärst du am besten mit deiner Kammer.
Warum darf ich bei Strafrecht kein Remarketing nutzen?
Google zählt Strafverteidigung zur sensiblen Interessenkategorie „Verübung einer Straftat“. Dort sind selbst kuratierte Zielgruppen wie Kundenabgleich und Segmente mit selbst erhobenen Daten nicht erlaubt. Dasselbe gilt für Scheidung und Insolvenz.
Wie viel Budget braucht eine Kanzlei für Google Ads?
Aus unserer Erfahrung 800 bis 10.000 € alle 4 Wochen, je nach Größe und Region. Rechne rückwärts: Wie viele Mandate brauchst du, damit sich das Budget trägt, und wie viele Anfragen sind dafür nötig? Klickpreise für deine Suchbegriffe zeigt der Keyword-Planer.
Ob sich Google Ads für deine Kanzlei rechnet, hängt von Rechtsgebiet, Deckungsbeitrag pro Mandat und Suchnachfrage in deiner Region ab.
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